Ev. Kirchengemeinde Köln Rath-Ostheim

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Meditationen zu Bildern und dazugehörige Predigt in der Osternacht 07.04.2012 in der Versöhnungskirche in Rath-Heumar

 

Meditationen zu den Bildern




Wie neugeboren

Frisches Wasser
Für meine müde Seele,
die sich abgekämpft hat an den Widrigkeiten des Lebens

wie wohltuend
mein allzu oft erhitztes Gemüt
wird abgekühlt
ich finde Frieden

Mich vom Alten reinigen
Mich sortieren
Und noch mal ganz neu beginnen

Ich bin jetzt ganz wach
Und lebendig
Ich fühle mich wie neugeboren
Manches wird ab heute anders sein



Kolosserbrief 2, 11-15

Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart. Gott hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und am Ende über sie gesiegt in Christus.


Auferstehung, oder: Osterglocken, die eine neue Zeit einläuten

Da blüht uns was
Nichts Ent-setzliches
Nichts Ge-setzliches
Sondern ein Auf-stand

Ein Aufstand für das Leben
Ein Einstand des Friedens
Ein Ausstand des Schreckens
Ein Kopfstand der Welt

Gott steht auf
Aus unserem gemachten Bett
Der Angst und Gewalt
Gott steht ein
Für sein Versprechen
Damals und heut’
Das Kreuz zu brechen
Er gesteht ein,
Trotz allen Leids
Uns nicht leid zu sein




Geschichte von der kleinen Raupe, die groß werden sollte

(von Willi Hoffsümmer – Symbole , S. 171/172)


Musik

Predigt:


Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wir sahen eben verschiedene Bilder mit verschiedenen Texten und doch verbindet alle die Auferstehung – das Neugeboren werden.
Das Wasser der Taufe, die Osterglocken, der Schmetterling. Alles zeigt uns, dass das Tote nicht einfach wieder belebt wird oder wieder zurückkommt, so als sei nichts geschehen.

Die Bilder und der Gedanke der Auferstehung lehren uns vielmehr, dass etwas ganz Anderes geschehen muss. Nicht, dass etwas zurückkommt, sondern dass ein Wandel geschieht – Wasser verwandelt, die Osterblüte verwandelt die graue Welt, der Schmetterling ist das Symbol der Verwandlung schlechthin. Auferstehung bedeutet nicht etwa, dass das Altvertraute zurückkehrt, denn das suchten auch die Frauen zunächst als sie zum Grab gingen, sondern, dass wir auf das Neue vertrauen, das da kommt, das da auf dem Weg ist.

Und so wird die Taufe im Neuen Testament mit dem Gedanken der Auferstehung und des Neugeborenwerdens verbunden. Meine eigene Auferstehung schon jetzt in diesem Leben, nicht erst irgendwann nach dem Tod, gehört ganz fest zusammen mit der Auferstehung Christi.

Das ist eine unglaubliche Erfahrung, bei der Paulus seine damaligen Mitchristen und damit auch uns heute anspricht, wie wir es vorhin hörten:
„Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus 
getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? 
Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und
wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten
auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“

Hier ist das auch ganz deutlich noch einmal gesagt. Die Auferstehung Jesu ist nicht deshalb so bedeutungsvoll, weil wir dann nach dem Tod alle automatisch auferstehen, sondern sie hat zum Ziel, dass wir als neue Menschen leben.

Christi Verwandlung zum Leben soll auch mein Leben verwandeln. Derselbe, der Christus neues Leben geschenkt hat, will dass wir hier auf dieser Erde neues Leben haben, hat uns in Christus die Möglichkeit dazu geschenkt.

Ich verstehe das so: Wer in die Liebe Christi eintaucht, wie in ein tiefes Wasser, der fühlt sich danach wie neugeboren und ist es auch.

Christus lebt – ja er lebt weiter – heute noch mitten unter uns, indem wir ihm vertrauen, indem wir unser Leben auf ihn ausrichten.

Auch Petrus, ein anderer Apostel schreibt das ganz ähnlich wie Paulus. Er formuliert es noch positiver "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten."
Was wir empfangen, was unsere Neugeburt ermöglicht, ist die Hoffnung, die in uns gepflanzt wird und die wir vielleicht längst nicht mehr im Blick gehabt haben, die wir vielleicht längst aufgegeben haben, bei manchem Schmerz, manchem Leid, manchem dunklen Tal, das wir durchschritten haben. Oder auch bei mancher Schuld, in der wir uns verfangen haben.

Die Auferstehung Christi und meine eigene Neugeburt - es gehört zusammen. Denn Christus ist gegen das aufgestanden und auch auf-erstanden, was uns so sehr lähmt oder festhält: Das Böse, das Unrecht, die Gleichgültigkeit, der Unfrieden, die Armut, die Angst, das Leid bis hin zum Tod.

Die Auferstehung Christi und unsere eigene Neugeburt hat eines gemeinsam, was wir auch in den Bildern entdecken können.

182715-Dusche2AuferstehungBlumenOsterglockeBluetedistelfalterwasser


Das Wasser – Die Osterglocken – der Schmetterling - sie alle machen deutlich, dass unsere Verwandlung ein Geschenk von Gott ist. Er hat Jesus verwandelt, auferweckt, wie wir es nennen. Er verwandelt auch uns. Das Wasser kommt von außen. Es kommt nicht aus mir. Die Blüte kommt nicht aus sich selbst, sondern ist ein gewachsenes Geschenk, hat ihren Weg gemacht, aber verdankt sich doch dem Wasser und dem Samen, der gelegt wurde. Der Schmetterling verdankt auch seine Verwandlung nicht sich selbst. An der Raupe hat sie sich vollzogen. Und die Flügel hat er sich nicht selbst gestrickt.

Im Januar wurde ich Zeuge der Geburt des Sohnes meines mittlerweile 23jährigen Patenkindes in der Schweiz. Als ich mein Patenkind vor dreiundzwanzig Jahren am Bauch den Berg im Schweizer Jura hoch tragen durfte, spürte ich ein wunderbares Geschenk der Wärme. Nun spürte sie es, als sie ihr eigenes Kind so an sich halten durfte. Das ist Leben, das ist Neugeburt. Immer sind wir Beschenkte.

Das bedeutet eben auch die Taufe. Vor allem Anspruch Gottes auf unser Leben, vor aller Anforderung und Pflichterfüllung, vor allem „du sollst, du musst“ steht sein Zuspruch zu uns, seine Liebe, sein Geschenk des Lebens – immer wieder neu.

In der Taufe sind wir hineingenommen in die Gemeinschaft der Menschen, die zwar Leid, Schuld und Tod kennengelernt haben, aber wir leben aus einer Hoffnung – wir sind mit einer Hoffnung beschenkt. Wir können nach vorne schauen, weil Gott für uns längst immer vorausgeschaut hat.

Auferstehung – also mit dem auferstandenen Christus neu geboren werden - heißt: dieser Hoffnung zu vertrauen und nicht meinen Ängsten oder dem, was mich vielleicht unfrei machen will und festhalten will. So wie die Raupe, die auf dem weg ist. Mag sein, dass sie nicht aus ihrer Haut kann, jedenfalls nicht aus eigener Kraft, aber sie kann mutig ihren Weg gehen und wachsen und sich verändern. „Ich lebe“, hat Jesus Christus einmal gesagt: „und so sollt auch Ihr leben!“. Ich glaube an Christi Auferstehung, denn es ist auch meine.
Ich muss mich von nichts und niemandem einschüchtern lassen, klein halten lassen, stumm machen lassen. Ich kann und soll leben!

Manchmal brauche ich aber einen Anstoß von außen, um zu erkennen, dass ich tatsächlich Beschenkter bin, dass es Gott tatsächlich gut mit mir meint, dass ich tatsächlich leben soll und will.

Da ist z. B. die Frau, die neu auf dem Friedhof ist. Erst seit einem halben Jahr kommt sie regelmäßig, um ihren Mann zu besuchen. Mal bringt sie Blumen, mal harkt sie nur so ein bisschen in der Erde. Mal sitzt sie einfach nur so da. So viel wollten die beiden noch miteinander unternehmen, so gerne wollten sie miteinander alt werden und nun? Trübe und düstere Gedanken nehmen von ihr Besitz. Wie immer, denkt sie traurig: „Ich komme einfach nicht drüber hinweg“. Da spricht sie jemand an: „Hallo, darf ich mich zu ihnen setzen?“, eine Frau, sie kennt sie flüchtig vom Einkaufen, aber sie ist nicht von hier, vor 20 Jahren ist sie hergezogen. Ihr Mann liegt nur 3 Reihen weiter. Sie kommen ins Gespräch. Ihre Wangen glühen, ihre Augen leuchten. Morgen treffen sie sich wieder und gehen ein paar Schritte zusammen.

Den Tod gesucht oder besucht, aber einen Lebenden, der ihr ein Gegenüber ist, gefunden. Fast wie bei der Begegnung der Jüngerinnen und Jünger mit Jesus am Grab. Die Frau wird viele Gespräche brauchen. Die Neugeburt vollzieht sich manchmal in vielen kleinen Schritten. Aber sie ist doch immer wieder erfahrbar.

„Wie neu geboren“, oder auf Latein: Quasimodogeniti: so heißt bei uns auch der Sonntag unmittelbar nach Ostern – Quasimodogeniti. Er wird auch Weißer Sonntag. Das hört sich nach festlicher Schönheit an, nach Reinheit, nach Licht. Der Sonntag hat diesen Namen von den weißen Kleidern, die die Täuflinge, in der Regel erwachsen, in der Frühzeit der Kirche trugen, die in der Osternacht zuvor getauft wurden. Für sie bedeutete die Taufe, den Aufbruch in ein neues Leben. Die weißen Gewänder sollten von dieser Verwandlung und dem Licht Gottes zeugen - dem Neuen, was nun anbricht. Ostern macht mir noch heute Mut und Lust, neu aufzubrechen, auch in der Ökumene und auch dann, wenn andere es schon aufgegeben haben. Ostern ist für uns alle die Chance zu einem Neuen Aufbruch, aber es braucht unser Vertrauen, wie damals bei dem Auferstandenen, als er nach Galiläa vorausgegangen ist und es gefragt war, ihm - also der Hoffnung - zu folgen oder aber bei den Gräbern stehen zu bleiben, bei dem, was man ohnehin begraben kann oder muss. Ich halte es da am liebsten mit dem Schreiber des Petrusbriefes, der Gott lobt und sich freut an den neuen ungeahnten Möglichkeiten der verwandelnden Hoffnung: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns durch seine große Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“
Amen.

© Pfarrer Gerhard Wenzel

 

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