Gedanken zur Tageslosung für Dienstag, 28.04.2020

Gedanken zur Tageslosung für Dienstag, 28.04.2020

So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen.
1.Chronik 22,19

Lauft so, dass ihr den Siegespreis erlangt.
1.Korinther 9,24

Wenn ich mit Manchen rede, die sich vorgenommen haben, die Bibel von vorne bis hinten einmal ganz durchzulesen und gerade die Bücher “Könige” und “Chronik” hinter sich haben, äußern sie oft: “Ach, das nervt aber total und ist furchtbar langweilig. Da sind ja nur Intrigen und da ist ja nur Mord- und Totschlag und Krieg”. So ist es in  er Tat, die Bücher “Könige” und “Chronik” erzählen von den Geschehnissen im Alten Israel zur Zeit der Königsherrschaft bis zur Wegführung ins babylonische Exil. Am Tiefpunkt des damaligen “shut-downs” sehnten sich viele nach dem Leben vor dem Exil, nach dem Motto: “Es möge doch alles wieder so sein, wie vorher!”. Eine kritische Schriftstellerschule, die sogenannten Deuteronomisten, hatten damals genau davor gewarnt: “Wollt Ihr wirklich genauso wie vorher leben. An Gottes Geboten vorbei, wo den Machtinteressen der Könige und übrigen Mächtigen alles geopfert wird. Statt Gott die Ehre zu geben? Das würde erneut in den Untergang führen.” Diejenigen, die gerade vollmundig eine Rückkehr zum Leben fordern, wie es vor Corona war, sollten sich genau überlegen, was sie da fordern und ob das Leben wirklich ganz genauso sein soll wie vorher. Mit all dem Stress, dem Mobbing am Arbeitsplatz und in der Schule und dem wirtschaftlichen Fortschritt um jeden Preis, bei dem der Mensch, die Gesundheit und die Umwelt auf der Strecke bleiben. Sollen wirklich all diese Menschenopfer in Afrika und andernorts weiter so sein, wie es sie vor Corona gab und die in der Zahl immens höher lagen als die vielen Corona-Toten? Soll alles so weiterlaufen wie zuvor bzw. bisher? Die Deuteronomisten empfahlen: Gott im Herzen zu suchen, damit die Welt eine andere, menschlichere wird und nicht wieder den Interessen Weniger geopfert wird und das Land erhalten bleibt – heute würden wir wohl sagen “die Erde”.

Soll wirklich alles wieder so weiterlaufen? Wir laufen alle mit verschiedenen Zielen und Lebensentwürfen und unterschiedlichen (überwiegend selbstgemachten) Göttern durch diese Welt. Wen und was setzen wir in unserem Leben und in unserer Gesellschaft an die höchste Stelle? Die Götter “Fortschritt” (um jeden Preis), Mammon, Autonomie und Autoindustrie, Erfolg, Freizeitkick und Reisetick und wie sie alle heißen mögen? Oder den Gott, der uns ein zufriedenes und friedevolles Leben miteinander bescheren will und kann? Und da legt der Apostel Paulus den Christen, die schon damals in der römischen Gesellschaft mit todbringenden Ideologien und Götterkulten konkurrierten, ans Herz: “Lauft so, dass Ihr den Siegespreis erlangt!” Ja, wir Christen dürfen nicht müde werden und müssen das schöne Ziel im Auge behalten und laufen, damit nicht alles so weiterläuft wie bisher. Damit können wir uns wirklich einen Lorbeerkranz verdienen (Siegespreis damaliger Sportwettkämpfe). Wir können hier und da und immerdar den Sieg des Lebens erringen. (Pfarrer Dr. Gerhard Wenzel)

Victoria mit Lorbeerkranz auf der Berliner Siegessäule Von Lichtjäger, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=505435