Hoffnungstöne II: Orgelspiel “O Mensch bewein dein Sünde groß”

Hoffnungstöne II: Orgelspiel “O Mensch bewein dein Sünde groß”

In den Zeiten von Corona werden viele Menschen nachdenklich. Sie hinterfragen auch ihre eigene Lebensweise und die Lebensmodelle, die uns in unserer Gesellschaft vorgelebt werden, ohne dass man Corona unbedingt als Strafe Gottes deuten müsste. Nach Corona würden jedenfalls viele gerne manche Dinge anders machen und die Gestaltung unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenlebens braucht tatsächlich Erneuerung. Mag sein, dass der Corona-Virus von allein aus dem Nichts gekommen ist, die Ausbeutung der Erde mit den Folgen einer möglichen Klimakatastrophe und die Ungerechtigkeit und der Unfrieden kommen nicht von selbst, sondern sind menschengemacht. Am Kreuz sehen wir nicht nur Christus, sondern unsere ganze Welt – die ganze gute Schöpfung Gottes, wie sie gekreuzigt durch die Art und Weise wie wir mit ihr und miteinander umgehen. Dieses alte Kirchenlied, das aus einer Zeit stammt, in der die Menschen ebenso Katastrophen erlebt und als Chance der Umkehr begriffen haben, lädt auch uns dazu ein: “O Mensch, bewein dein Sünde groß”. Dieses Bewusstsein ist Voraussetzung für Umkehr. Erst der Blick auf das Kreuz und das Aushalten dieses Blickes gibt Hoffnung, dass sich auch wirklich endlich etwas ändert (Pfarrer Dr. Gerhard Wenzel). Und hier nun noch ein paar musikalische Hinweise und Gedanken zu den Bildaufnahmen von Klaus Gerling, dem Organisten und Schöpfer dieses Videos: Wer die Melodie im Stück wiedererkennen will, sollte wissen, dass es damit sehr, sehr langsam vorangeht, damit Bach seine völlig überraschenden „Zwischentöne“ und Verzierungen unterbekommt. Aber letztlich folgt dieses sog. Choralvorspiel genau dem Choral, dem Kirchenlied in EG 76. Das parallel gezeigte Glasmosaik aus der Versöhnungskirche mit der aufstrebenden „Menschenkette“ soll verdeutlichen, wie es auf jeden einzelnen angesprochenen „O Mensch“ heute ankommt. Das andere Mosaik mit dem blauen Kreuz spricht die im Text angesprochene Verheißung an auf Befreiung von unseren Sünden im Zeichen des Kreuzes – also horizontal d. h. zwischenmenschlich und vertikal d. h. Gott gegenüber. Dieser vertikale Aufstieg wird auch an einer Stelle sinnlich konkreter, wenn die Kamera an einem fragwürdigen Holzstück empor wandert: Es ist die längste Orgelpfeife in der Versöhnungskirche mit dem stärksten Schalldruck! Bach hat in der hörbaren Chromatik dieses Kreuz und das Leiden emotional spürbar gemacht, besonders in den letzten Takten „Adagissimo“.