Gedanken zur Tageslosung am 27.04.2020

Gedanken zur Tageslosung am 27.04.2020

Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN.
1. Mose 3.8
Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!
Röm. 8,15

„Pass auf, der liebe Gott sieht alles!“ – Haben Sie diesen Ausspruch als Kind auch schon einmal gehört? Gewiss richtig ist es, Kindern mitzugeben, dass sich Gottes Fürsorge für uns Menschen auf die guten aber auch die weniger guten Taten erstreckt. Das musste auch Adam so erfahren, nachdem die Früchte vom Baum des Guten und des Bösen ihm und Eva die Augen geöffnet haben. Er versteckte sich vor dem Angesicht Gottes, weil er sein eigenes Tun nicht sehen wollte.
Gott, so wissen wir, zeigt Adam und Eva den Lebensweg, den sie gehen müssen. Sie verlassen zwar das Paradies, aber Gott verlässt sie nicht. Er bleibt bei Ihnen und sie sollen ihr Leben nicht als Zumutung, sondern als Chance begreifen und annehmen. Die Abstammung von einem Schöpfer soll nicht zur Abhängigkeit der Geschöpfe führen, aber zur Verantwortung im wirklichen wie im Glaubensleben.
Nicht Furcht ist es, was Gott will, aber Ehrfurcht im Sinne eines Bewusstseins, mit seiner Herkunft und Bestimmung umzugehen.
Paulus fasst dies im Römerbrief wunderbar zusammen und nennt es den „Geist der Kindschaft“, der uns Menschen immer wieder die Rückkehr zum „Vaterhaus“ ermöglicht, weil da ein Vater ist, der seine Arme weit ausbreitet und uns liebend empfängt (Gleichnis vom verlorenen Sohn).
Natürlich wissen wir, dass es Paulus immer auch um die Frage geht: welche Bedeutung hat der Gesetzeskatalog des ersten (Alten) Testaments für uns Christen, und wie können Christusgläubige aus den unterschiedlichen Kontexten, aus denen sie kommen (jüdisch, hellenistisch, atheistisch) ein gemeinsames Credo (Glaubensbekenntnis) formulieren und leben.
Das ist auch eine spannende Frage – was steht da höher: Die Gesetzlichkeit oder die Freiheit, die Regeln oder die Möglichkeit, diese zu umgehen oder für sich auszulegen?

Gerade jetzt denke ich daran, wo wir hier in Nordrhein-Westfalen nun zum Tragen von Masken verpflichtet sind, was unter anderen Maßnahmen nun der Virenverbreitung Einhalt gewähren soll. Ja, wir haben die Regeln gehört und verstanden, und doch regt sich so ein innerer Widerstand, innerlich Nein zu sagen, oder vielleicht auch ein übergroßes Vertrauen, gläubig einfach alles in Gottes Hand zu legen.
In der Situation des Paulus damals, wie auch in unserer Lage heute, finde ich die Aussage am wichtigsten, dass wir uns nicht „abermals fürchten müssen“.
Darum, Ihr Lieben, fürchtet euch nicht – auch wenn ihr euch heute „vermummt“ begegnet und vielleicht das eigene Spiegelbild kaum erkennt.

In diesem Sinne grüßt herzlich Ihre/Eure Pfarrerin Andrea Stangenberg-Wingerning