Gedanken zur Tageslosung am Montag 01.06.2020

Gedanken zur Tageslosung am Montag 01.06.2020

Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht! Habe ich’s dich nicht schon lange hören lassen und es dir verkündigt? Ihr seid doch meine Zeugen!
Jesaja 44,8

Was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern.
Matthäus 10,27

Liebe Christenmenschen,
kennen Sie das Spiel „Stille Post“? Begeistert hat man es früher (als man sich noch so nahekommen durfte) in Kinder- Jugend- und auch Erwachsenenrunden gespielt. Die Aufgabe ist ganz einfach: Denk dir einen Satz aus und flüstere ihn deinem Nachbarn ins Ohr, dieser gibt es im Kreis an den nächsten geflüstert weiter und so fort. Das Ende vom Spiel? Ein großes Gelächter, weil eigentlich nie die eigentliche Botschaft ans Ziel kommt, sondern meist sehr lustige Varianten.
Auch wenn das Spiel schon sehr alt ist – Matthäus wird es vielleicht so noch nicht gekannt haben. Im 10. Kapitel des Matthäusevangeliums geht es um die Nachfolge Jesu und dass es gar nicht so einfach ist, öffentlich ein Christ zu sein. Der von Jesus an die Jünger erteilte Auftrag umfasst Heilung von Krankheiten, Predigt des Evangeliums, Totenaufweckung, sowie die leibliche und geistige Versorgung der Menschen mit allem, was das Evangelium von Jesus Christus hergibt. Dabei wird ihnen angekündigt, dass sie selbst nicht gut vorsorgen und sich versorgen können, sondern auf Gaben und Almosen angewiesen sind, und sich darauf gefasst machen müssen, dass ihnen auch Ignoranz, Widerstand und Verfolgung begegnen wird.
Sie sollen eben nicht nur unter ihresgleichen Christen sein, sondern sich in die Gesellschaft und Welt begeben, und dort das Wort Gottes verkündigen.
Es muss möglich sein, frei-öffentlich Christ (in) zu sein, und es soll so sein – wenn ich das jetzt mal übertrage, dann heißt das auch, dass Kirche sich nicht aus dem öffentlich-gesellschaftlichen Dialog rausziehen darf (was schon Martin Luther ihr vorgeworfen hat).
Gerade jetzt ist das sehr wichtig, Kirche wieder ein Gesicht zu geben, wo die alten Formen in der Coronakrise beinahe zerfallen sind und sich Gemeindeleben sicher verändern wird.
Insofern freue ich mich über die Kombination des Lehrtextes aus Matthäus mit Jesaja 44, wo der Prophet „Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht!“ voranstellt. Genau das ist es – nicht kleingläubig und ängstlich, sondern bewegt vom Geist Gottes zuversichtlich vorangehen. Den Mund (von mir aus auch hinter einer Maske) aufmachen und engagiert weiter von Christus und der christlichen Gemeinschaft erzählen.
Also: Bleibt nicht nur unter euch und flüstert euch ins Ohr, was euch trägt und hilft, furchtlos macht und motiviert – sondern verschafft Euch Stimme, Raum und Gehör.
Frohe Pfingsten, liebe Gemeinde!
Ihre Pfarrerin Andrea Stangenberg-Wingerning