Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis 18. Juli

Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis 18. Juli

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. AMEN

Liebe Schwestern und Brüder unter Gottes Angesicht,

ich darf heute über eine meiner liebsten Geschichten in der Bibel predigen. Das sollte mir leicht fallen, denn es geht um die wunderbare Versorgung des Propheten Elia durch Gott und unser Vertrauen darauf, dass Gott auch uns versorgt, Mangel beseitigt und wir mit ihm ein erfülltes Leben leben können.
Doch selten ist es mir so schwer gefallen, genau darüber zu predigen, dann nach der „Dürrezeit“ der Pandemie, die ja noch nicht einmal ausgestanden ist, hat sich mit dem Flutwasserereignis schon wieder etwas eingestellt, was so nicht vorauszusehen war und uns nicht freudig, sondern auch schmerzlich bewusst macht, dass wir unser Leben nicht selbst in der Hand haben und manchmal eben nicht gut versorgt sind.
Sie sind heute morgen hier, und das lässt mich hoffen, dass sie unbeschadet vom Hochwasser und Regen waren oder – wie ich auch – den Keller inzwischen wieder vom Wasser befreit habe.
Aber was wir in den Medien hören und sehen, wahrscheinlich auch Betroffene kennen, ist schon schlimm – wie schnell kann alles, mit dem wir uns sicher fühlen, Haus, Auto, Grundstück, Existenz, Arbeit, Leib und Leben dahin sein.
Menschen rufen nach Hilfe, brauchen Obdach, Kleidung, Bett und Brot. Wollen Verstehen und eine Zukunftsaussicht, hungern danach zu wissen, wie es denn jetzt weitergehen soll.

Sehr oft erzählt die Bibel Geschichten von Menschen, die auch an Leib und Seele bedürftig sind, die hungern und dürsten, die verstehen wollen und den Mut finden wollen, weiterzugehen.
Manchmal geraten diese Menschen unverschuldet in Not, manchmal trägt ihr eigenes Vergehen sie dorthin. Die Propheten des Ersten Testamentes geraten sehr oft in der Ausübung ihres Gottes-Dienstes, ihrer Verkündigung des Willens Gottes, in existentielle Notlagen oder bewirken diese für andere.

So geht es auch dem Propheten Elia, der heute im Mittelpunkt seht. Elia- sein Name ist Programm und bedeutet : Mein Gott ist JHWH. Was ist von diesem Gott zu halten, zu glauben, zu hoffen? Es ist ein Gott, der Satt macht, so will es uns dieser Sonntag verkünden, schon die Lesung des Evangeliums von der wundersamen Speisung der Vielen hat uns darauf aufmerksam gemacht.
Wer Geschichten gerne hört, in denen es genau darum geht, beschenkt zu werden von Gott, erfüllt und satt zu werden, kommt heute auf seinen Geschmack.
Dazu bekommen wir es mit einer Geschichte zu tun. Genaugenommen sind es zwei Geschichten. Geschichten mit Gott. Geschichten, die vom Leben erzählen. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Elia. Er ist ein Prophet. Er ist ein Mensch, der auf Gott vertraut.
Aus dem ersten Buch der Könige 17,1-16 lese ich:
171Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe:
Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn. 2Da kam das Wort des Herrn zu ihm: 3Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 4Und du sollst aus dem Bach trinken, und ich habe den Raben geboten, dass sie dich dort versorgen sollen. 5Er aber ging hin und tat nach dem Wort des Herrn und setzte sich nieder am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 6Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank aus dem Bach. 7Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande. 8Da kam das Wort des Herrn zu ihm: 9Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge.10Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke! 11Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit! 12Sie sprach: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will’s mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen – und sterben.13Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach’s, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir’s heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. 14Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf Erden. 15Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. 16Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des Herrn, das er geredet hatte durch Elia.

Elia flieht um sein Leben. Er hat sich mit den Mächtigen angelegt. Denn er streitet für Gott, für den Gott Israels. Elia traut Gott – nur ihm allein und keinem anderen Gott neben ihm. Und auch keinem mächtigen Herrscher. Aber nun muss er fliehen, denn die Königin lässt ihn verfolgen. Sie will ihn töten lassen. Sie glaubt nicht an den Gott Israels. Und Elia stört ihre Politik. Sein Leben ist in Gefahr. Nun ist Elia am Bach Krit. Er hat nichts mehr. Da ist keiner mehr. Er ist allein. Was ist ihm noch geblieben? Ist er von Gott und allen guten Geistern verlassen?

Was Elia hat, ist sein Vertrauen in Gott. Er hat Gottes Versprechen: Ich bin da für dich. Vertrau mir. Ich gehe mit dir. Darauf hofft Elia – auch wenn seine Lage alles andere als rosig ist. Gott verspricht ihm, dass er für Elia sorgen wird. Auf dieses Versprechen setzt Elia alles, sein ganzes Leben. Er hofft gegen den Augenschein. Ob er sich dabei seiner sicher war, erfahren wir nicht. Indem er auf Gott vertraut, rettet er sein Leben. Es kostet ihn viel. Allein, verfolgt, vom Tode bedroht, ist er. Und doch: Er erfährt Stärkung auf seinem Lebensweg.

Woran hänge ich mein Herz? Worauf setze ich mein Vertrauen? Auf wen setze ich meine Hoffnung? Vertraue ich auf Gott, dass ich es wage, neue Wege zu gehen. Wege auch, die Mut erfordern und immer wieder neues Vertrauen auf Gott?
Und wie ergeht es mir mit meiner Hoffnung, meinem Vertrauen, wenn ein Schicksalsschlag wie sie sich in diesen Zeiten ereignen, wiederfährt?
Die Geschichte von Elia ist nichts für Leichtgläubige. Sie entbehrt nicht gewissen Ungereimtheiten. Elia geht zum Bach; und Raben bringen Brot und Fleisch. Raben gelten in der Bibel als unrein. Wasser aus dem Bach, Brot und Fleisch, als Nahrung, das reicht offenbar. In Psalm 23 heißt es: Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Dann muss Elia auch weitergehen. Die Idylle am frischen Wasser ist vorbei. Einrichten in der Komfortzone ist ihm nicht gegeben. Der Bach versiegt. Er kann seinen Durst nicht mehr stillen. Er muss in ein anderes Land gehen, fliehen. Ausgerechnet in das Land seiner Feinde. Dann soll er auch noch zu einer Witwe gehen. Ausgerechnet zu einer Witwe schickt Gott Elia. Witwen haben nichts im Überfluss. Sie zählen zu denen, die am Rande der Gesellschaft leben. Alleinerziehende Mutter ist sie auch noch. Eine Witwe ist selbst auf die Hilfe anderer angewiesen. Teilhabe am sozialen Leben ist ihr versagt.
Ausgerechnet eine solche Frau soll Elia auffordern, ihn zu versorgen. Sie soll ihn stärken, soll sich seiner annehmen.

Elia hört auf Gott. Er macht, was Gott ihm sagt.
Und auch die Witwe lässt sich vertrauensvoll darauf ein, in Gottes Namen zu teilen, zu sorgen.
„Fürchte dich nicht“, sagt Elia zu der Witwe. Hab keine Angst. Ein Satz, der offenbar notwendig ist. Ein Satz, der Not wendet. Immer und immer wieder wird er gesagt. Vertrau darauf. Das ist die gute Botschaft, das Evangelium, in kürzester Form. Hab Vertrauen. Wer Vertrauen wagt, wagt viel und kann manche Überraschung erleben. Wer Vertrauen wagt, erfährt Gutes. Wer Vertrauen wagt, wird mit Gutem gesättigt.

Die Witwe macht dann tatsächlich das, was Elia von ihr fordert. Sie lässt sich auf das ein, was Elia ihr ankündigt. Sie vertraut auf sein Gottvertrauen. Wie stark ihr Vertrauen ist, wird nicht bewertet. Vielleicht denkt sie auch, sie hat sowieso nichts mehr zu verlieren. Zu all dem erfahren wir nichts. Elia und die Witwe wagen es, einander zu vertrauen. Und so kommt Gott ans Werk. Sie gibt ab von dem bisschen Öl und Mehl. Sie teilt das letzte Bisschen. Und siehe: Es reicht. Es reicht für alle. Alle werden satt. Elia, die Witwe und ihr Kind. Es ist genug für alle da. Niemand muss hungern. Niemand verhungert. Alle werden gerettet. Alle kommen mit dem Leben davon. Gott trifft auf wunderbare Weise seine Vorsorge. Himmelsspeise und Brot des Lebens. Beides zusammen macht satt.

Wonach hungert ein Mensch in seinem Leben? Was macht ihn satt? Das, was einen Menschen nährt, ist verschieden. Da ist der echte Hunger. Nach Lebensmitteln, nach Nahrung, um nicht zu verhungern und des Hungers zu sterben. Das ist real in unserer Welt. Menschen verhungern. Ertrinken bei dem Versuch, ihr Hab und Gut, ihre Haustiere zu retten.
Da braucht es Menschen, wie die Witwe zu Sarepta. Die sich unterbrechen und ansprechen lassen, die Zeit und Energie zur Verfügung stellen, teilen, was sie haben und dabei vertrauen, dass es für alle reicht. Innerhalb weniger Tage haben sich viele Initiativen gebildet, Menschen haben gespendet und Hand angelegt. Manche sagen: Helfen macht auch den Helfer satt.
Aber in Elias Geschichte gibt es auch eine geistliche Dimension. Elementar mit dem nötigen Leiblichen versorgt zu sein stärkt auch das Gottvertrauen.
Elia und die Witwe zeigen: Es bedarf wenig dazu, durch Gott satt zu werden. Beide zeigen aber auch, dass das Brot des Lebens nicht für mich allein zu haben ist. Brot zu teilen verbindet miteinander. Daraus entsteht eine Gemeinschaft, die lebensgedeihlich ist. So ist das Leben gut für alle. Elia, die Witwe und ihr Kind bilden eine Lebensgemeinschaft für eine gewisse Zeit. Elia wird weiterziehen, weil Gott ihn an einen anderen Ort ruft. Aber in diesem Moment haben sie eine Gemeinschaft, die sie trägt und nährt.
So, wie wir beim Abendmahl eigentlich im Kreis zusammenstehen als kleine zusammengewürfelte Gemeinschaft auf dem Weg, und Gott schenkt sich uns im Abendmahl, um unserer Bedürftigkeit willen.

Was macht mich satt in meinem Leben? Martin Luther hat eine gute Antwort gefunden. In seinem kleinen Katechismus erklärt er auch das Vaterunser. Die vierte Bitte heißt: Unser tägliches Brot gib uns heute. Luther schreibt dann: Was heißt denn das tägliche Brot? Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen und Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.

Wie schön, dass die Aufzählung so vielfältig ist. Leben ist mehr als Überleben. Und heute reden wir sicher nicht von Zucht. Wir reden von Haltung und Anstand, von sozialer Gerechtigkeit und Freiheit. Sicher könnte man noch einiges andere ergänzen. Ich würde die Musik ergänzen. Musik machen miteinander – in solchen Momenten erfahre ich: Gott sorgt für mich. Dass ich an so etwas teilhaben kann, das macht mich satt. Und wir sollten die gemeinsame Sorge um die Welt, das Klima, die Gesundheit nennen, denn ich bin sicher: Wenn wir gemeinsam dafür sorgen, dass unser Lebensraum nicht übermäßig leidet, dann sorgen wir auch für unser Gottvertrauen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.